Die Auswahl neuer Franchise-Partner für ein Franchiseunternehmen will gut durchdacht sein. Nicht nur, weil der neue Partner das Wissen und die Leistungen des gesamten Systems zur Verfügung gestellt bekommt und durch seinen wirtschaftlichen Erfolg zum Erfolg und zur Entwicklung des gesamten Systems beiträgt, sondern auch weil es menschlich einfach passen muss.

Franchise = People-Business

Schließlich geht man eine enge Partnerschaft ein, wenn auch nur auf Zeit. Es handelt sich dabei nicht nur um eine „Geschäfts-Partnerschaft“. Um die persönliche (und private) Ebene kommt ein
Franchisegeber einfach nicht herum. Franchise ist in erster Linie „People-Business“. Es ist hilfreich für den Franchisegeber, wenn er sich vorher ein Bild über die kommunikativen Fähigkeiten, die Motive, die Lebenseinstellungen und Sichtweisen, das Menschenbild und das Verhalten des Franchisepartners in kritischen Situationen macht. Bewirbt sich da eher ein „Macht-Mensch“ oder ein „Team-Player“, ein „Vermittler“ oder ein „Innovator“ etc.. Wie wird dieser Bewerber auf meine Maßnahmen zur Erfolgssicherung reagieren? Passen diese Reaktionen zu meinem Verhalten? Kann und will ich damit umgehen? usw.

Psychologische Tests

Psychologische Test wie der DISC-Test, Charakterstärkentests oder Tests zu inneren Motiven bilden diese Erkenntnisse ab, dienen dabei aber eher einer Einschätzung auf allgemeinerer Ebene, orientiert
an bestimmten Theorien und Typologien. Sie bieten die Möglichkeit einer ersten Einschätzung von Menschen basierend auf fundierten Theorien. Die Anwendung einer Mischung von Tests und vor
allem das zusätzliche persönliche Kennenlernen ermöglichen es letztlich einen Menschen und dessen komplexe Persönlichkeit individuell und spezifischer Kennenzulernen. Wobei immer zu beachten
ist, dass neben der Persönlichkeit eines Menschen auch immer externe Faktoren wie spezifische Situationen, Einfluss auf sein Verhalten haben und dieses daher nur bedingt vorhersehbar ist.

Unterstützung durch externe Coaches / Berater

Das zu Rate ziehen einer professionellen externen Person, bietet neben dem Vorteil des fachlichen Know-Hows auch den weiteren Vorteil, dass die Einschätzung unabhängig und neutral erfolgt.
Auch gegenüber dem Bewerber wirkt die Einschätzung durch eine qualifizierte, externe Person angenehmer und professioneller, als wenn diese, wie so viele andere Auswahlschritte, noch zusätzlich durch den Franchisegeber erfolgen würden. Wichtig ist neben der Professionalität des Beraters, der die Einschätzung vornimmt, ist vor allem seine Neutralität und ausreichende Kenntnisse über das Franchisesystem, für das sich der Bewerber vorstellt. Dazu sollte der Psychologe umfangreich vom Franchisegeber informiert werden.

Fragen zur psychologischen Einschätzung eines Bewerbers

  • Warum will sich der Interessent selbständig machen?
  • Warum mit einem Franchise-Konzept?
  • Passt Franchise überhaupt zu den Einstellungen, Werten und Verhaltenstendenzen des Interessenten?
  • Wie gut sind die Aussichten, dass sich der Interessent in ein Franchise-Netzwerk eingliedert?
  • Wo könnte es Schwierigkeiten geben?
  • Wie könnte ein angemessenes Verhalten des FG auf das prognostizierte Verhalten des FP aussehen?
  • Welche Handlungsempfehlungen für den FG gibt es hierzu?

Fazit für Franchisegeber

Je sorgfältiger Sie den idealen Partner beschreiben können, desto sicherer und kostengünstiger wird die später folgende Franchisepartnersuche und -auswahl. Gerade der in anfänglicher Euphorie unüberlegt aufgenommene Franchisepartner kann später Anlass zu Schwierigkeiten geben.