Soweit nur einige bekannt gewordene Beispiele aus den letzten Jahren. Es ist also offenbar attraktiv, dass Franchisesysteme ge- und verkauft oder von der nächsten Generation weitergeführt werden. Das ist eine gute Nachricht für Franchisegeber.
Die gute Nachricht für die Franchisenehmer ist: Es geht weiter mit ihrem Franchisesystem, auf dem sie ihre unternehmerische Zukunft gebaut haben. Eventuell unter neuer Marke wie bei Dominos Pizza, oft aber auch unter Beibehaltung der bekannten Marke. Es geht weiter, oft sogar mit einem Käufer, der ebenfalls aus der Franchisewelt stammt und diese versteht. Es geht weiter, mit neuen Akzenten und einem anderen Spirit. In der Regel wird das von einem Teil der Franchisenehmer begrüßt und von anderen argwöhnisch beäugt. Aber es geht weiter. Es geht weiter, und damit ist es auch für die Franchisenehmer sicher, ihr Unternehmen weiterzuführen und eines Tages ebenfalls verkaufen zu können.
Du siehst, kaufen und verkaufen von einzelnen Franchisebetrieben sowie ganzen Franchisesystemen oder ihr Weitergeben an die nächste Generation gehört zu der Franchise-Wirtschaft einfach dazu – wobei ich das Finden eines Käufers und die Gestaltung des Nachfolgeprozesses bei von Franchisenehmern geführten Betrieben oft einfacher empfinde als bei ähnlich ausgerichteten Unternehmen, die nicht Teil eines Franchisesystems sind – um so mehr, je aktiver und planvoller ein Franchisegeber Nachfolgeprozesse bei seinen Franchisenehmern unterstützt.
Kann sein, dass Du als Franchisegeber bei der Gründung Deines Franchisesystems nicht von Beginn an auf Exit oder Übergabe innerhalb der Familie abgezielt hast. Meistens – und meistens auch sympathischer Weise – ist das so. Aber eines Tages solltest Du Dir darüber Gedanken machen, wie es mit Deinem System weitergeht, wenn Du nicht mehr dabei bist. Damit nimmst Du auch bei diesem Thema wieder eine Vorbildfunktion gegenüber Deinen Franchisenehmern ein, die sich vielleicht ebenfalls mit dem Verkauf ihres Unternehmens beschäftigen oder beschäftigen sollten.
Wie jeder Unternehmensverkauf markiert der Verkauf eines Franchisesystems Abschluss und Neubeginn zugleich. Für den Verkäufer ist es ein Abschluss, für den Käufer der Start in eine neue Phase.
Nach meiner Erfahrung gelingen Unternehmensnachfolgen am besten, wenn der Verkäufer sich wirklich intensiv und ernsthaft mit der Idee des Verkaufs – also mit dem Abschluss der Phase, in der sie oder er das Unternehmen geführt hat – auseinandersetzt. Also nicht mit diesem “Ha ha, ich wollte einfach nur mal wissen, wie viel mein Unternehmen wert ist”, sondern mit “Natürlich habe ich stets mein Unternehmen gestaltet und ich gestalte auch jetzt aktiv die Phase des Übergangs und Verkaufs”.
Mindestens genauso wichtig: Dein Unternehmensverkauf gelingt nur, wenn Du eine Idee hast, was danach für Dich und Deine Familie kommen soll. Es kann eine neue Herausforderung sein oder die Entscheidung, erstmal ein Vakuum zuzulassen und zu schauen, wie sich dieses wieder füllt, welche neue Tür sich öffnet, wenn sich die alte hinter Dir schließt. Aber ganz ohne Planung fällst Du in ein Loch, boykottierst womöglich selbst den Verkauf Deines eigenen Unternehmens auf den letzten Metern oder machst einen wesentlich schlechteren Deal.
Du hörst es vermutlich schon heraus: Es ist völlig üblich, dass zwischen dem ersten Gedanken “Was ist, wenn ich aufhöre?” und dem tatsächlichen Verkauf oft viele Jahre vergehen. Geschäftspartner, Familie(n) müssen mitgenommen werden, schließlich auch die Mitarbeiter. Du musst Dich an den Gedanken gewöhnen, dass das Unternehmen, was Du aufgebaut hast, heute ein ganz anderes ist als zum Start und dass deshalb die Persönlichkeitstypen, die es übernehmen, oft auch ganz andere sind als Du selbst, auf jeden Fall andere Akzente setzen wollen.
Der Nachfolgeprozess ist ein Prozess, wie viele andere Prozesse in Deinem Franchisesystem auch. Er ist bereits fertig in der Schublade (sollte er jedenfalls sein) und wartet dort auf die Anwendung im konkreten Fall. Beim Unternehmensverkauf schwingen meistens jede Menge Emotionen mit, deshalb hört sich “Nachfolgeprozess” vielleicht etwas nüchtern an. Aber klare Prozesse helfen, die Emotionen so zu kanalisieren, dass ein gutes Geschäft verbunden mit einem für alle Beteiligten guten Gefühl daraus wird.
Möchtest Du einen solchen Nachfolgeprozess für die Franchisenehmer in Deinem System etablieren oder optimieren? Oder hast Du Fragen zum Verkauf Deines Franchisesystems oder suchst Du einen Sparringspartner, der Dich bei diesem Prozess begleitet? Dann lass’ uns gerne mal darüber sprechen.
Eugen Marquard
Geschäftsführer