
Im 24h-Betreuungsmarkt sind Franchisesysteme bereits etabliert, in der ambulanten Pflege und bei Arztpraxen dagegen kaum vorhanden – vor allem wegen gesetzlicher Hürden und fehlendem Franchise-Mindset, nicht wegen mangelnder Nachfrage oder Kapital.
Warum gibt es trotz 500 Mrd. Euro Jahresumsatz so wenige Gesundheits-Franchises?
Das deutsche Gesundheitswesen verarbeitet über 500 Mrd. Euro pro Jahr bei 5,7 Mio. Beschäftigten – ein Markt so groß wie die Automobilindustrie, aber mit siebenfacher Personalstärke. Trotzdem ist Franchise dort unterrepräsentiert, weil gesetzliche Vorgaben, Qualifikationszwang und ein historisch gewachsenes Alleinkämpfer-Mindset der Inhaber die Skalierung erschweren.
Rund 12 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten im Gesundheitswesen, finanziert aus Beiträgen, Steuerzuschüssen und Zuzahlungen von zusammen über 500 Mrd. Euro jährlich. Das entspricht etwa 6.000 Euro pro Kopf und Jahr – vom Neugeborenen bis zur Hundertjährigen.
Eigentlich ideale Bedingungen für Franchise: lokale Nähe ist für die Leistungserbringung zwingend, viel Geld ist im System, und die Zahlungsbereitschaft der Kunden für die eigene Gesundheit ist hoch. Dennoch bleibt die Branche im Vergleich zu Fitness, Gastronomie oder Handwerk franchise-arm. Wir sortieren die drei ambulanten Kernbereiche – Pflege/Betreuung, Therapie und Arztpraxen – und zeigen, wo Franchise heute schon funktioniert und wo das größte ungenutzte Potenzial liegt.
Wie unterscheiden sich 24h-Betreuung, Haushaltshilfen und ambulante Pflege im Franchise?
24h-Betreuungsvermittlung und Haushaltshilfen-Agenturen sind bereits gut durch Franchisesysteme abgedeckt, weil hier keine Pflegefachkraft-Qualifikation nötig ist. Ambulante Pflegedienste dagegen benötigen eine zugelassene Pflegedienstleitung (PDL) und sind trotz über 15.000 Betrieben in Deutschland kaum als Franchise organisiert.
Die drei Betreuungs- und Pflegeformen im Vergleich
| Bereich | Anzahl Anbieter / Nutzer | Qualifikationspflicht | Franchise-Verbreitung |
|---|---|---|---|
| 24h-Betreuung (Vermittlung) | ca. 300.000 betreute Familien | keine Pflegefachkraft-Ausbildung nötig | mehrere etablierte Systeme (z.B. Promedica24, Pflegehelden, Sencurina) |
| Haushalts- & Alltagshilfen | oft 10-50 Mitarbeitende pro Betrieb | keine Fachkraft-Pflicht, aber hoher Personalaufwand | einzelne Systeme aktiv (z.B. Home Instead) |
| Ambulante Pflegedienste | über 15.000 Betriebe, meist 5-20 Mitarbeitende | PDL-Pflicht nach SGB, Kassenzulassung | kaum flächendeckende Franchisesysteme |
Bei der 24h-Betreuung liegt die unternehmerische Leistung der Franchisepartnerin in der Vermittlung: Vor-Ort-Analyse der Familie, Auswahl der passenden Betreuungskraft über eine Entsendefirma in Osteuropa, Organisation der Formalitäten. Genau diese Kombination aus zentraler Anbindung an Entsendefirmen (Franchisegeber) und lokaler Kundenbetreuung (Franchisepartner) macht das Modell attraktiv.
Bei Haushalts- und Alltagshilfen liegt die Herausforderung in Personalgewinnung und -bindung sowie professioneller Abrechnung mit Familien und Pflegekassen – auch hier ein klassisches Franchise-Argument: bewährte Systeme statt Eigenentwicklung.
Ein Drittel der über 15.000 ambulanten Pflegedienste in Deutschland ist in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege wie Diakonie und Caritas, zwei Drittel sind privat geführt – meist von Inhaberinnen, die selbst PDL sind und erstmals unternehmerische Verantwortung übernehmen. Genau dieser Markt ist stark fragmentiert und würde von zentraler Unterstützung bei Abrechnung, Personalplanung und Nachfolge profitieren. Trotzdem hat sich bislang kein bundesweites Pflegedienst-Franchise durchgesetzt.
Warum gibt es bei über 40.000 Physiotherapiepraxen nur zwei nennenswerte Therapie-Franchises?
In Deutschland gibt es über 40.000 Physiotherapie-, 9.000 Logopädie- und 8.000 Ergotherapiepraxen, fast ausschließlich als Einzelstandorte geführt. Nur Elithera (Physiotherapie) und die Duden Institute (Lerntherapie) haben mit 90 bis 150 Standorten franchise-typische Größe erreicht – der Rest bleibt Einzelkämpfermarkt.
Der Therapiemarkt wird zu fast 100 Prozent von Einzelstandort-Betreibern geprägt, bei denen Inhaberin und Therapeutin identisch sind. Schon ein zweiter Standort ist die Ausnahme. Dabei spricht vieles für mehr Franchise:
- Qualitätskontrolle als Systemleistung: Statt sich auf Google-Bewertungen zu verlassen, könnten Franchisegeber einheitliche Erfolgskennziffern für Therapien erheben und vergleichen.
- Fokus auf die Kernkompetenz: Franchisepartnerinnen könnten sich auf die Arbeit mit Patienten konzentrieren, während der Franchisegeber Abrechnung, Software, Werbung und Praxisausstattung organisiert.
- Fachlicher Austausch: Innerhalb eines Systems können sich Therapeutinnen über neue Methoden und unternehmerische Themen wie Mitarbeiterbindung oder Nachfolge austauschen.
Besonders bitter: 2012 berichtete das Deutsche Ärzteblatt über ein 1993 in Göttingen entwickeltes Therapiekonzept für schwer alkoholkranke Patienten (ALITA), das nach zehnjähriger Entwicklung mit 180 Patienten überragende Ergebnisse zeigte und laut Ärzteblatt ideal für eine „multizentrische Umsetzung auf Franchise-Basis“ geeignet gewesen wäre. Passiert ist nichts – bis heute findet ein Betroffener keinen Ansprechpartner dafür im Netz. Genau solche Fälle zeigen das ungenutzte Potenzial des Marktes.
Könnten Arztpraxen überhaupt als Franchise funktionieren?
Rechtlich ja, aber nur eingeschränkt: In Deutschland gibt es rund 100.000 Arztpraxen mit knapp 190.000 Ärztinnen und Ärzten, doch nur approbierte Mediziner dürfen Praxisinhaber sein. Eine Öffnung nach dem Vorbild der Meisterpflicht im Handwerk – Inhaberschaft für jeden, Fachkraft-Pflicht als Anstellung – würde echte Arztpraxis-Franchisesysteme erst breit möglich machen.
Das Modell der inhabergeführten Hausarztpraxis mit ein bis zwei Ärztinnen gerät unter Druck: Nachfolger fehlen, Investitionen in Digitalisierung und Ausstattung sind hoch, Fachkräftemangel und steigende Dokumentationspflichten belasten. Gleichzeitig übernehmen Klinikkonzerne zunehmend den ambulanten Bereich – ein Konzern betreibt in Deutschland bereits über 240 Arztpraxen als Filialsystem.
Franchise könnte hier einen dritten Weg bieten: die Unabhängigkeit der inhabergeführten Praxis erhalten und gleichzeitig zentrale Unterstützung bei Personalgewinnung, Digitalisierung, Marketing und Verwaltung liefern. Voraussetzung wäre jedoch eine gesetzliche Anpassung, die zwischen Praxisinhaberschaft und ärztlicher Tätigkeit trennt – analog zur Meisterpflicht im Handwerk, wo nicht jeder Werkstattinhaber selbst Meister sein muss, aber einen Meister anstellen muss.
Wie sieht ein erfolgreicher Franchise-Aufbau im Gesundheitswesen in der Praxis aus?
Medical Care Personalservice aus Potsdam zeigt, dass Franchise im Gesundheitswesen funktioniert: Nach einem gescheiterten ersten Expansionsversuch mit Partnern baute Gründer Fred-P. Klüh 2022 gemeinsam mit Die FranchiseMacher ein Franchisesystem für Pflegepersonaldienstleistung auf – heute in 22 Städten aktiv (Stand April 2025), Ziel 50 Städte bis Ende 2026.
Der Fall zeigt exemplarisch, woran Franchise-Vorhaben im Gesundheitswesen oft scheitern und wie sie gelingen können: 2017 startete das Unternehmen in Potsdam mit fünf Mitarbeitenden, heute beschäftigt allein der Potsdamer Standort über 130 Pflegekräfte. Ein erster Expansionsversuch mit zwei Partnern ohne Franchise-Struktur scheiterte. Erst die systematische Übersetzung des Geschäftsmodells in Franchisevertrag, Handbuch und Pilotbetrieb ermöglichte die kontrollierte Skalierung.
Als Die FranchiseMacher haben wir seit 2011 über 250 Franchisesysteme über alle Branchen hinweg begleitet, von Gastronomie über Handwerk bis Pflege, Fitness und Beauty. Unsere Erfahrung aus diesen Projekten bestätigt das Muster aus dem Gesundheitswesen: Wer als Unternehmerin ein funktionierendes Konzept hat, aber operatives Know-how erst in Handbuch, Vertrag und Gebührenstruktur übersetzt bekommt, kann in 6 bis 12 Monaten ein einsatzfähiges Franchisesystem aufbauen – mit Pilotbetrieb, klaren Prozessen und einer Struktur, die auch unter fremder Führung reproduzierbar ist. Genau das war bei Medical Care Personalservice der entscheidende Unterschied zwischen dem gescheiterten ersten Versuch und der heutigen Expansion in mittlerweile 22 Städte.
Häufige Fragen
- Wie viele Menschen arbeiten in Deutschland im Gesundheitswesen?
- Laut Bundesgesundheitsministerium sind es 5,7 Mio. Beschäftigte, das entspricht über 12 Prozent aller rund 46 Mio. Erwerbstätigen in Deutschland.
- Wie hoch sind die jährlichen Einnahmen im deutschen Gesundheitswesen?
- Krankenkassen nehmen über 340 Mrd. Euro an Beiträgen ein, zusammen mit Pflegeversicherung und Steuerzuschüssen ergeben sich Gesamteinnahmen von über 500 Mrd. Euro pro Jahr.
- Wie viele ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland?
- Es gibt über 15.000 ambulante Pflegedienste, ein Drittel in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege wie Diakonie und Caritas, zwei Drittel privat geführt.
- Warum sind Franchisesysteme in der ambulanten Pflege selten?
- Ambulante Pflegedienste unterliegen hohen gesetzlichen Anforderungen wie der Pflicht zu einer zugelassenen Pflegedienstleitung (PDL) und Kassenzulassung, was den systematischen Aufbau erschwert – zusätzlich fehlt vielen Inhabern das unternehmerische Franchise-Mindset.
- Welche Franchisesysteme gibt es aktuell im Therapiebereich?
- Nennenswerte Beispiele sind Elithera in der Physiotherapie und die Duden Institute in der Lerntherapie, beide mit 90 bis 150 Standorten – bei insgesamt über 40.000 Physiotherapiepraxen in Deutschland bleibt das die Ausnahme.
- Können Arztpraxen aktuell als Franchise betrieben werden?
- Nur eingeschränkt, da laut geltendem Recht ausschließlich approbierte Ärztinnen und Ärzte Praxisinhaber sein dürfen. Eine gesetzliche Öffnung nach Vorbild der Meisterpflicht im Handwerk würde echte Franchisesysteme für Hausarztpraxen erst ermöglichen.
- Wie lange dauert der Aufbau eines Franchisesystems mit Die FranchiseMacher?
- Nach unserer Erfahrung aus über 250 begleiteten Franchisesystemen dauert der Weg vom bestehenden Geschäftsmodell zum einsatzfähigen Franchisesystem in der Regel 6 bis 12 Monate.
Wichtige Fakten
5,7 Mio. Menschen sind in Deutschland im Gesundheitswesen beschäftigt – über 12 Prozent aller 46 Mio. Erwerbstätigen.
(Bundesgesundheitsministerium (2022))
Die Gesamteinnahmen im deutschen Gesundheitswesen liegen bei über 500 Mrd. Euro pro Jahr, umgerechnet rund 6.000 Euro pro Kopf.
(Bundesgesundheitsministerium (2022))
Über 15.000 ambulante Pflegedienste sind in Deutschland aktiv, ein Drittel in freier Wohlfahrtspflege, zwei Drittel privat geführt.
Ca. 300.000 Familien in Deutschland nehmen 24h-Betreuungsleistungen in Anspruch, Tendenz steigend.
Es gibt über 40.000 Physiotherapie-, über 9.000 Logopädie- und über 8.000 Ergotherapiepraxen in Deutschland.
Elithera (Physiotherapie) und die Duden Institute (Lerntherapie) zählen mit 90 bis 150 Standorten zu den größten Therapie-Franchisesystemen.
In Deutschland gibt es rund 100.000 Arztpraxen mit knapp 190.000 tätigen Ärztinnen und Ärzten.
Ein großer Klinikkonzern betreibt in Deutschland bereits über 240 Arztpraxen als Filialbetrieb.
Medical Care Personalservice ist seit 2022 als Franchisesystem organisiert und in 22 Städten aktiv (Stand April 2025), Ziel: 50 Städte bis Ende 2026.
Die FranchiseMacher haben seit 2011 über 250 Franchisesysteme über alle Branchen hinweg begleitet und benötigen dafür in der Regel 6 bis 12 Monate pro Projekt.
- Bundesministerium für Gesundheit (2022): Das deutsche Gesundheitssystem. Leistungsstark. Sicher. Bewährt. (2022)
- Ehrenreich H, Krampe H, Timmer W et al. (2004): Franchising im Gesundheitswesen: Kosteneffizienz durch Qualitätskontrolle. Deutsches Ärzteblatt 39
- Bundesverband für häusliche Pflege und Betreuung e.V.
- Die FranchiseMacher – Franchiseberatung
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