Franchiseberater Eugen Marquard: „Franchise wird in den nächsten Jahren boomen.“

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Eugen Marquard ist beim Thema Franchise mit allen Wassern gewaschen. Marquard selbst baute zehn Jahre das internationale Franchiseunternehmen Mail Boxes Etc. in Deutschland mit mehr als 200 Standorten mit auf. Danach machte er sich als Franchiseberater mit „Unternehmen Selbständigkeit“ in Berlin selbstständig. Er arbeitet für Franchisegeber wie u.a.  die Gründerinnen von WAX IN THE CITY und coacht auch Franchisenehmer auf ihrem Weg ins Unternehmertum. Bei einem Franchisesystem räumt ein Unternehmen als Franchisegeber dem Geschäftspartner, dem Franchisenehmer, das Recht ein, gegen eine Gebühr mit seinen Produkten oder Dienstleistungen Geschäfte zu machen. Wir befragten ihn, warum Franchise eine tolle Möglichkeit zur Selbstständigkeit ist und wie man erfolgreich netzwerkt.

Herr Marquard, was ist eigentlich ein gutes Franchisekonzept und wie beurteilt man das?

Eugen Marquard: Ein gutes Konzept ermöglicht einem Franchisenehmer in absehbarer Zeit ein passives Einkommen. Das bedeutet, dass er oder sie nicht mehr so viel Zeit für das Alltägliche und den unmittelbaren Verdienst investieren muss, sondern den nächsten Schritt machen kann, um z.B. ein weiteres Geschäft aufzubauen oder mehr zeitliche Flexibilität zu haben. Bei WAX IN THE CITY ist diese Möglichkeit gegeben.

Was ist der Vorteil, sich mit Franchise selbstständig zu machen?

Marquard: Ein Unternehmensgründer ist normalerweise ein einsamer Mensch, der sich mühsam seine Informationen überall selbst besorgen muss. Das ist zwar möglich, aber ziemlich aufwendig. Beim Franchisesystem bekommt er ein fertiges Konzept, Marketing- und PR-Unterstützung aus der Zentrale und viele Insiderinformationen, wie man das Konzept zum Erfolg führt. Hinzu kommt, dass ein Unternehmer, der selbst gründet, normalerweise keinen Zugang zu wirklichem Branchenwissen bekommt. Also, was kann der Konkurrent besser als ich, wie hat er sein Team organisiert, wo bestellt er Ware, was könnte ich von ihm lernen etc.? Über solche Themen wird in der Regel nicht geredet, sie sind tabu aus Angst vor der Konkurrenz. Bei Franchise sieht das anders aus. Da werden die anderen  Franchisenehmer eher als Partner angesehen, die in einem ähnlichen Set-up arbeiten.

Wie kann man denn das Franchise-Netzwerk gut für sich nutzen?

Marquard: Ich kenne viele Franchisenehmer, die sich regelmäßig mit anderen aus der Region austauschen. Dafür braucht man gar nicht immer eine Agenda. Alle zwei Monate mal essen gehen und offen über das Geschäft reden, wie man Dinge tut, wo Probleme sind und wie man sie lösen kann, hilft da schon.

Wie tief kann denn dieser Austausch gehen?

Marquard: Das hängt natürlich von den Personen ab. Aber ich finde es sportlich, sich so offen wie möglich auszutauschen. Das bringt beiden Seiten etwas. Ich kenne Unternehmer, die gleichen sogar ihre Umsätze täglich ab. Oder sie tauschen mal für eine Woche die Positionen oder Teams aus.

Das klingt zwar toll, aber was bringt das konkret?

Marquard: Je mehr Vertrauen da ist, desto offener ist man miteinander. Natürlich machen die Franchisepartner im Prinzip das gleiche Geschäft, aber im Detail dann eben doch anders. Nur in einem Franchise-Netzwerk kann ich wirklich erfahren, wie es der andere macht und was es bringt. Wie gesagt, Details können einen großen Unterschied machen. Manchmal ist die Länge eines Lächelns der Rezeptionsmitarbeiterin entscheidend für den Erfolg.

Jeder Franchisegeber veranstaltet ja auch selber Treffen zum Erfahrungsaustausch so wie kürzlich WAX IN THE CITY. Reicht das nicht?

Marquard: Erfahrungen machen wir jeden Tag. Warum sollte man sich also nicht öfter austauschen? Jeder hat die Telefonnummer des anderen. Ich rate Franchisenehmern immer, das Netzwerk intensiv zu nutzen. Es bringt ganz viel fürs Business.

Sie suchen für Franchisegeber auch neue Partner. Wie findet man heraus, ob jemand geeignet ist?

Marquard: Das ist gar nicht so einfach. Denn anders als bei Personalberatern, die Stellen nach bestimmten Qualifikationen besetzen, nützen uns Zeugnisse eher nichts. Denn vor mir sitzt jemand, der etwas zum ersten Mal macht und ich muss das Entwicklungspotential abschätzen. Es gibt Plus- und Minuspunkte, aber nicht wirklich Ausschlusskriterien. Ein Plus ist z.B. wenn jemand im Vertrieb gearbeitet hat, eine lebendige Persönlichkeit hat, vom Partner unterstützt wird. Ein Minus kann etwa sein, wenn jemand in einem Beamtenhaushalt groß geworden ist, selbst 30 Jahre bei einem Großunternehmen mehr oder minder immer den gleichen Job gemacht hat, keine Führungsposition innehatte, nie Entscheidungen fällen musste. Wir klopfen auch ab, ob sich jemand darüber klar ist, dass es Zeit braucht, ein Unternehmen zu entwickeln. Wer mit 60 gründet, muss gleich eine Nachfolgeregelung mitdenken. Jemand der Mitte 20 ist, muss sich überlegen, wie er die Investitionen stemmen kann. Aber Geld mitzubringen, ist allein auch kein Erfolgsfaktor.

Wie wird sich Franchise in Zukunft entwickeln?

Marquard: Es gibt immer mehr Konzepte, die auf Franchise beruhen. Wenn sie heute durch eine Shopping-Mall gehen, ist jeder zweite/dritte Laden ein Franchisekonzept. Der Bereich wird auch in den nächsten Jahren boomen.

Was raten Sie Gründern, die als Franchisenehmer in die Selbständigkeit starten?

Marquard: Sie sollten sich sofort einen Franchisepartner in der Region für den Austausch suchen. Dann sollten sie so offen wie möglich mit eigenen Infos und Zahlen umgehen und darüber reden. Außerdem ist es sinnvoll, sich gerade am Anfang darauf zu konzentrieren, das Konzept 1:1 umzusetzen. Viele Franchisenehmer kommen immer schnell mit Verbesserungsvorschlägen. Aber das ist Blödsinn. Franchiseunternehmen sind meist seit vielen Jahren erfolgreich im Markt. Zusammen mit ihren Partnern kommen sie locker auf 70 Jahre Erfahrung auf ihrem Gebiet. Das sollte man erstmal nutzen. Franchise ist ein Bekenntnis zum Unternehmertum vor Ort. Das verlangt auch Respekt vor dem, was bereits geleistet worden ist.

Was ist den Gründerinnen von WAX IN THE CITY besonders wichtig bei den Franchisepartnern?

Marquard: WAX IN THE CITY legt besonders viel Wert darauf, dass die Konstellation stimmt, die Franchisepartner zufrieden sind und die Kunden im Herzen und im Blick haben.

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